Tag des DEUTSCHEN Bieres

Tag des DEUTSCHEN Bieres – Während der internationale „Tag des Bieres“ immer am ersten Freitag in jedem August gefeiert wird, ist der 23. April für alle deutschen Biertrinker ein wichtiger Feiertag. Er ist der Tag des DEUTSCHEN BIERES.

Was wird am 23. April überhaupt gefeiert?

Mit etwas Überheblichkeit könnte man sagen, dass der Feiertag begangen wird um klar zu machen, dass das deutsche Bier das beste auf der Welt ist. Etwas weniger überheblich formuliert geht es an diesem Tag um das erste deutsche REINHEITSGEBOT, das bis heute fast unverändert gilt. Es wurde vor über 500 Jahren, am 23. April 1516 nachweislich erlassen.

Was besagt das Reinheitsgebot genau?

Das Reinheitsgebot besagt, was in ein Bier beim Brauen hineindarf – und was nicht. Am Ende ist das nur sehr wenig:

  • Hopfen
  • Malz
  • Hefe und
  • Wasser

Mehr darf in Bier grundsätzlich nicht enthalten sein. Die erste Vorschrift dazu wurde, wie schon erwähnt, bereits 1516 erlassen. Den Begriff Reinheitsgebot gab es damals in dieser Form nicht – der Zweck der Verordnung war aber genau der gleiche wie heute auch.

Das uralte Reinheitsgebot beim Bier

Tag des DEUTSCHEN Bieres
Tag des DEUTSCHEN Bieres

Verschiedene amtliche Brauverordnungen es auch schon zuvor, etwa seit dem frühen Mittelalter – erlassen wurden sie von Zünften, Landesherren oder gegebenenfalls auch einmal von Stadträten.

Sie regelten die Qualität des Bieres und zum Teil auch bereits die erlaubten Inhaltsstoffe – so verfügte etwa der Fürstbischof des Hochstifts Eichstätt bereits 1319, dass in dem ihm unterstellten Gebiet nur Gerste, Hopfen und Wasser zum Bierbrauen zulässig seien.

Die gleiche Regel stellten die Münchener Stadträte bereits 1447 für die Stadt München auf.

1487 dehnte Herzog Albrecht IV. diese Norm dann auf ganz Oberbayern aus und verfügte gleichzeitig eine verpflichtende Bierbeschau vor dem Verkauf.

Diese Verordnung ist der Ursprung des sogenannten „Münchner Reinheitsgebots“, das noch etwas älter ist als das allgemeine deutsche Reinheitsgebot, auf das man sich sonst beruft.

Die wenigsten von diesen allesamt lokalen Verordnungen sind aber bis heute überhaupt erhalten geblieben, und kaum eine der Verordnungen war in einem größeren Gebiet gültig.

Das erfüllte erst die Bayerische Landesverordnung von 1516, die nach den Landshuter Erbfolgekriegen nun für ganz Bayern galt. Herzog Wilhelm IV. und Herzog Ludwig X. erweiterten damit das bestehende Münchener Reinheitsgebot in seiner Gültigkeit auf ganz Bayern samt allen seinen dazugehörigen Teilherzogtümern.

Neben den Inhaltsstoffen wurde in der Verordnung auch der Preis für Bier verbindlich festgesetzt.

Ab 1861 taucht die Verordnung auch wieder in den bayerischen Landesgesetzen auf, ab 1907 galt er dann im ganzen Reichsgebiet.

im März 1918 wurde dann erstmals auch der Begriff „Reinheitsgebot“ im bayerischen Landtag verwendet – und gilt seitdem als Rechtsbegriff. Zunächst war es ein „bayerisches Reinheitsgebot“, seit den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts dehnte sich der Begriff des Reinheitsgebotes auch offiziell auf ganz Deutschland aus.

Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 im Originalwortlaut

Wir wöllen auch sonnderlichen
das füran allenthalben in unsern Stetten
Märckthen unnd auf dem Lannde
zu kainem Pier
merer Stuckh
dann allain Gersten
Hopffen und Wasser
genomen unnd gepraucht sölle werden.

Reinheitsgebot - Tag des DEUTSCHEN Bieres
Reinheitsgebot – Tag des DEUTSCHEN Bieres

Welher aber dise unnsere Ordnung wissentlich überfaren unnd nit hallten würde
dem sol von seiner Gerichtzöbrigkait
dasselbig vas Pier
zuestraff unnachläßlich
so offt es geschicht
genomen werden.

Jedoch wo ain Geüwirt von ainem Pierprewen in unnsern Stettn Märckten
oder aufm Lande
yezuezeyten ainen Emer Piers
zwen oder drey
kauffen
und wider unntter den gemainen Pawzsuolck ausschennckhen würde
demselbenn allain
aber sonnst nyemandts
sol die mass
oder der kopff piers
umb ainen haller höher dann oben gesetzt ist
zegeben
unnd außzeschennckhen erlaubt unnd unuerpotten sein.

(Wie man sieht waren deutsche Gesetze auch schon vor Jahrhunderten genauso umständlich formuliert und pingelig detailgeregelt wie heute. Die Preisvorschriften sind dabei noch um einiges schlimmer).

Warum ein Reinheitsgebot überhaupt notwendig war – Tag des DEUTSCHEN Bieres

Wie man aus der Geschichte der verschiedenen Reinheitserlässe erkennen kann, war es scheinbar ziemlich früh nötig, die allenthalben vorhandene „Kreativität“ der Bierbrauer bei möglichen Inhaltsstoffen ein wenig mit gebotener Strenge zu beschränken.

Tag des DEUTSCHEN Bieres
Tag des DEUTSCHEN Bieres

Den Zusatz von unterschiedlichen Kräutlein beim Brauen mag man ja noch angehen lassen – beim Zusatz von Ruß (um Dunkelbier zu erzeugen) oder Kreidemehl (damit wird aus sauer gewordenem Bier wieder irgendwie genießbares) hört sich der Spaß dann aber auf.

Erst recht natürlich beim Zusatz von (eigentlich giftigem) Stechapfel und sogar Fliegenpilzen. Das entstehende Gebräu war dann völlig untrinkbar, wurde aber mit wenig Skrupeln dennoch verkauft und ausgeschenkt.

Die alten Reinheitsgebote waren also fallweise schon allein notwendig, um die eigene Bevölkerung vor dem massenhaften Tod durch Bier zu schützen.

Das war umso wichtiger, als Bier im gesamten Mittelalter das hauptsächlich genossene Getränk war – es wurde vor allem auch Kindern zum Trinken gegeben.

Wasser war zu dieser Zeit ungenießbar – man entsorgte alle Fäkalien und allerlei Abwässer ganz einfach grundsätzlich in Bächen und Flüssen, daneben auch allen möglichen anderen Unrat.

Die Keimbelastung des Wassers war zur damaligen Zeit enorm – schon der Genuss eines einzigen Glases Wasser aus den Flüssen, den Bächen oder den öffentlichen Wasserbrunnen konnte im Ernstfall den Tod bedeuten oder grassierende Epidemien auslösen.

Aus diesem Grund trank man eben Bier – das darin verwendete Wasser war immerhin grob gereinigt und auch aufgekocht – was zumindest die gefährlichsten der Keime sicher abtötete. Also trank eben jeder Bier, der noch eine Weile länger am Leben bleiben wollte.

Stolz auf deutsches Bier

Begangen wird der Tag des deutschen Bieres erst seit 1994, als der deutsche Brauer-Bund wieder auf die strengen Reinheitsgebote aus der Vergangenheit aufmerksam machen wollte, die es schon so lange gibt – und an die Qualität deutschen Biers hinweisen wollte.

Tag des DEUTSCHEN Bieres - Bier Party mit Freunden.
Tag des DEUTSCHEN Bieres – Bier Party mit Freunden.

In sehr vielen Ländern gab es solche Reinheitsgebote nicht, in vielen kann bis heute das hergestellte Bier recht kreativ „gewürzt“ werden, häufig werden dafür auch übermäßige Mengen von Zucker zugesetzt.

Heute herrschen immer noch besonders strenge Gesetze, auch wenn man das ursprüngliche Reinheitsgebot mittlerweile ein wenig gelockert hat:

beim obergärigen Bier sind seit 1923 auch Rohrzucker, Rübenzucker, Invertzucker oder Stärkezucker und Zuckerfarbstoffe erlaubt, außer in Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg), wo das weiterhin streng verboten blieb.

Bayern verweigerte nach dem Zweiten Weltkrieg auch Zusätze wie Kartoffelflocken, Hirse oder Zuckerrübenschnitzel, was für kurze Zeit in anderen Bundesländern erlaubt war.

In der ehemaligen DDR nahm man es mit Zusatzstoffen nie besonders genau, hier gab es eine ganze Menge erlaubter Zusatzstoffe.

Die Moral von der Geschicht‘: Auf deutsches Bier und seine über Jahrhunderte heldenhaft verteidigte Reinheit können wir bis heute ehrlich stolz sein, insbesondere in Bayern.

Der 23. April sollte also für jeden Biertrinker der Tag sein, an dem er ein bisschen zu schätzen weiß, was er da Gutes im Glas hat.

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