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Nebenbei und obendrein Eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988-2007

Die Entstehung von Manufactum und die Idee dahinter

Nebenbei und obendrein – Für Sammler ist „Nebenbei und obendrein – eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988 bis 2007“ ohnehin ein Muss. Aber darüber hinaus ist das Buch auch für andere Menschen interessant, die das „Prinzip Manufactum“ besser verstehen wollen. Aber auch diejenigen, welche die tollen Manufactum-Kataloge kennen und sammeln, dürften mit „Nebenbei und obendrein – eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten von 1988 bis 2007“ eine wahre Freude haben.

Nebenbei und obendrein Eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988-2007
Nebenbei und obendrein Eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988-2007

1988 gründete der gelernte Buchhändler und ehemalige Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen, Thomas Hoof den Versandhandel „Manufactum“. Ab 1998 erwarb das Versandhaus Heine, ein Tochterunternehmen von Otto, 50 Prozent, um es 2008 gänzlich zu übernehmen. Daher auch der Titel „Nebenbei und obendrein – eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988 bis 2007“, also die Zeit umfassend, in der Hoof das erfolgreiche und außergewöhnliche Unternehmen führte.

Die Philosophie des Unternehmens lautet „es gibt sie noch, die guten Dinge“. Angeboten werden außergewöhnliche Produkte, die hauptsächlich einer traditionellen Herstellung unterliegen. Sei es von italienischen Mönchen in einer Einsiedelei gepresstes Olivenöl oder ein Handquirl der Amisch-Leute aus den USA. Man könnte es in etwas so umschreiben: die guten hochwertigen Haushaltswaren aus Omas oder Uromas Zeiten aus der Zeit der 1920er bis höchstens in die 1960er; eher 1950er.

Nicht nur die ausufernde Elektronik und das viele Plastik bei heutigen „Kurzwaren“, um etwas Nostalgie einzubringen, auch Eigenschaften wie die „eingebaute Obsoleszenz“ (Verfallsdatum trotz Funktionalität wie beispielsweise bei Druckerpatronen durch) spielen eine Rolle. Auch die ausufernde Globalisierung, die als positiv verkauft wird, obwohl es lediglich eine moderne Form der Ausbeutung ist (lokale Bauern, Arbeiter etc. müssen sich dem Willen milliardenschwerer Konzerne unterwerfen), sind wohl ausschlaggebend. Das hat Hoof beinahe visionär lange vorab erkannt.

Ein Buch, welches ohne es zu wollen, auch die politischen Veränderungen indirekt dokumentiert

Die Geschichte von Thomas ist ein guter Beleg dafür, wie „verkehrt“ die Welt heute ist. Neoliberalismus (der Mensch dient dem Unternehmen als billige Arbeitskraft und williger Konsument und nicht, wie es sein sollte, das Unternehmen oder das Produkt dem Menschen) versteckt sich heute geschickt hinter einer vermeintlich links-grünen Fassade, die nur durch die Meinungsmacht aus dem Internet ausgehend durch Neoliberale aufrechterhalten werden kann.

Obwohl immer mehr Menschen begreifen, dass es nicht linke Friedenspolitik ist, sich hinter aggressive Kriege und Freihandelsabkommen zu stellen. So ist es nämlich kein Wunder, dass Thomas Hoof in einem Medium, in dem sich die neoliberale Meinungsmacht längst vollends entfaltet hat, nämlich dem politischen Wikipedia, heute über seinen zusammen mit Manufactum gegründeten Verlag Manuscriptum in die rechte oder neurechte Richtung verortet wird. Es zeigt auch, wie sehr sich beispielsweise Grüne von ihren einstigen vorbildlichen Zielen entfernt haben unter diesem neoliberalen Einfluss.

Ein ausgesprochen lesenswertes Buch für Menschen mit unterschiedlichsten Interessen

Wenngleich wir hier keine politische Stellung beziehen möchten, ist es dennoch eine wichtige Feststellung. Denn „Nebenbei und obendrein – eine Auswahl aus den Manufactum-Hausnachrichten 1988 bis 2007“ offenbart auch das ursprüngliche grüne und soziale Denken, welches heute abhanden gekommen zu sein scheint. Es zeigt auf dieselbe teils ironische und lakonische Weise, wie die Idee von Manufactum gewachsen ist und was die Ziele waren.

So wird das Buch einerseits wie alle Manufactum-Kataloge zu einem Sammlerobjekt, sehr interessanten Einblicken in die unternehmerische Gedankenwelt auch der zahlreichen Lieferanten, aber eben unfreiwillig auch zu einem politischen Zeugnis, wie die wahren sozialen und ökologischen Werte heute immer mehr neoliberalem Lobbyismus und Profitstreben zugunsten vom eigenen Klientel verdrängt wurden.

Kurzum: ein rundherum interessantes, vielschichtiges und aussagekräftiges Buch. Kaufen.

160 Seiten
Manuscriptum Verlag

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