Blog

Ausgegeizt!: Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip

Inzwischen hat sich ein Begriff durchsetzen können, der während der Ersterscheinung des Buches noch nicht oft zu hören war

Ausgegeizt!: Wertvoll ist besser - Das Manufactum-Prinzip
Ausgegeizt!: Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip

Ausgegeizt!: Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip. „Geiz ist geil“. Diesen Slogan, geprägt durch einen Konzern der deutschen Unterhaltungsindustrie wirkt über Jahrzehnte bis heute. Längst hat es sich ausgegeizt, denn die Menschen erkennen die Nachteile nur zu deutlich.

Allerdings steckt heute noch mehr Brisanz in dem Thema des Buches als zur Zeit dessen Veröffentlichung 2012. Der Autor, Uli Burchardt, übt fundierte Kritik an der „Geiz ist geil“-Mentalität. Wenngleich es auch Kritik am Buch gibt, so ist „Ausgegeizt!: wertvoll ist besser – das Manufactum-Prinzip“ dennoch ein gelungenes Werk für Menschen, die daran interessiert sind, etwas an dieser Situation zu ändern.

Es gilt allerdings zu bedenken, dass Burchardt „Ausgegeizt!: wertvoll ist besser – das Manufactum-Prinzip“ bereits 2012 veröffentlichte. Wenngleich es heute immer mehr Menschen gibt, die unsere aktuelle Wirtschaftsform (Neoliberalismus) verstehen, so ist es dennoch bis heute ein komplexes und schwieriges Thema.

Andere Worte für Neoliberalismus, die immer wieder zu hören sind, wären „Raubtier-Kapitalismus“ oder „Turbo-Kapitalismus“. Das ist dann entweder das weiterführende Thema, welches aus heutiger Sicht auf dem Buch aufbaut.

Oder – wer bereits mit Neoliberalismus und seinen Strukturen vertraut ist, ein sehr gutes Buch, um Merkmale nachhaltiger Unternehmens- und Wirtschaftskultur klar von neoliberalen Unternehmensstrategien zu unterscheiden.

Geiz ist salonfähig

In den 1990ern warb ein Konzern der Unterhaltungselektronik mit dem Wahlspruch „Geiz ist geil“. Bis dahin war Geiz eigentlich ein negativ wahrgenommener Begriff. Schließlich hat ein gutes seinen Preis, der sich über dessen Wert definiert. Es waren die ersten signifikanten Jahre der Globalisierung (viel Import aus dem spottbilligen Fernost), welche absolute Niedrigpreise erst ermöglichten.

Damit fing auch der Markt der Discounter massiv zu wachsen. Es war damals bereits ein selbstverständliches Bild, auf dem Kundenparkplatz der Discounter auch Oberklassenfahrzeuge zu sehen. Jeder wollte nur noch billig einkaufen. Das ist seither im Prinzip auf alle konsumfähigen Lebensbereiche übergeschwappt.

Die Lebensmittelindustrie nahm zunehmend Fahrt auf, Großbetriebe waren nicht groß kritisiert. Immer wieder gab es Berichte in den Medien, wonach Lieferanten und Zulieferer von Discountern regelrechten Knebelverträgen unterliegen. Das Problem wird heute sogar noch größer. Ein Blick in die Paketzustelldienste ist ausreichend. Die Auswirkungen dieser „Geiz ist geil“-Mentalität trifft nämlich längst auch die Arbeitskräfte. Wer billig anbieten muss, muss die Kosten straff kalkulieren.

Das Buch rollt das Thema von der anderen Seite auf: was echte Nachhaltigkeit ausmacht

Das ist im Prinzip die Geschichte, welches das Buch umgibt. Natürlich wird das so nicht im Buch genannt. Es befasst sich vielmehr mit der anderen Seite; nämlich, wie Qualität wieder aussehen sollte. Dazu erörtert der Autor verschiedene Teilbereiche wie Werte, Qualität usw. die im Prinzip alle zu einem großen Überbegriff führen, der aber bereits zur Zeit der Bucherscheinung überdehnt wurde: Nachhaltigkeit. Aber wirklich im tatsächlichen Sinn von Nachhaltigkeit ist gemeint.

Gleichzeitig war Burchardt Manager bei Manufactum. Anhand dieses Online-Unternehmens erklärt der Buchautor diese Themenbereiche und überträgt sich auf Strukturen, auf die der Konsument achten sollte, wenn er wirklich nachhaltig konsumieren möchte. Teilweise wird der Autor dafür kritisiert, dass er so deutlich auf Manufactum eingeht (es wird ihm Werbung für das Unternehmen vorgeworfen). Letztlich – und auch das ist die Meinung zahlreicher Rezensionen, beschreibt Burchardt nichts wirkliches Neues. Allerdings geht es darum auch gar nicht. Es geht darum, alles miteinander zu verknüpfen und zu erkennen, was echte Nachhaltigkeit tatsächlich ist. Zudem will er die Menschen dafür sensibilisieren, wieder nachhaltig zu konsumieren.

Damit ist das Buch heute mehr aktuell als noch zu seiner Zeit der Ersterscheinung. Denn inzwischen haben diese aggressiven Wirtschaftsformen noch mehr Fahrt aufgenommen und die Menschen werden teilweise durch stagnierende Löhne und Gehälter und die inzwischen weltweit zweithöchste Steuerlast regelrecht forciert, billig zu konsumieren. Damit ist das Buch mehr als nur eine Vorlage für nachhaltigen Konsum. Es öffnet die Augen und lässt sich das neoliberale Wirtschaftssystem, in dem wir heute leben, besser erkennen – wenngleich Sie sich dazu weiterführend belesen müssen.

Ausgegeizt!: wertvoll ist besser – dieses Buch besitzt heute noch mehr Brisanz

Dabei bedeutet hochpreisig keinesfalls nachhaltig. Ein großer Smartphone-Hersteller verkauft seine Geräte zu hohen Preisen, lässt aber gleichzeitig in China produzieren. Warum dieses Konzept aufgeht, liegt sicher nicht nur daran, dass diese Marke einen gewissen Kultstatus hat. Es geht auch darum, dass bei den Menschen ein gewisser Wertewechsel vollzogen wird. Geiz ist längst nicht mehr geil. Die Menschen wollen Qualität und Nachhaltigkeit.

Vielmehr zeigt dieses Beispiel, dass es Unternehmen geschickt verstehen, diesen Wunsch der Menschen zu bedienen, um letztlich wieder ihre Profite weiter zu optimieren. Mit diesem Buch erkennen Sie Qualität, es regt außerdem zum Nachdenken an. Zudem ist „Ausgegeizt!: wertvoll ist besser – das Manufactum-Prinzip“ von kontinuierlich steigender Brisanz betroffen.

Ausgegeizt!: Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip – 290 Seiten

Fazit: Empfehlenswertes Buch.

P.S. Uli Burchardt stellt im Buch sein Traum Auto vor: den Land Rover – auch hier können wir ihm nur zustimmen, der Land Rover gehört zu den besten Automobilen der Welt.

Schreibe einen Kommentar